Was ist Materialflusskostenrechnung (MFCA)?

Materialflusskostenrechnung (engl. 'Material Flow Cost Accounting', MFCA) ist ein Instrument, mit dem produzierende Unternehmen eine höhere Materialeffizienz erreichen. Durch die Vermeidung von Materialverlusten (Abfällen) sollen Energie und Kosten eingespart werden. Um dies zu erreichen, lassen sich mit MFCA die tatsächlichen Kosten von Abfall (Hidden Costs) berechnen. MFCA ist für Unternehmen ein wichtiges Element der betrieblichen Ressourceneffizienz und ist über die ISO 14051 normiert.

Mit MFCA zu mehr Ressourceneffizienz

Entstanden ist die Idee der Materialflusskostenrechnung in den 80er Jahren. Ziel war es ein Instrument zur Unterstützung von Umweltmanagement und Ökocontrolling zu entwickeln.

Ihren Ursprung hatte die Materialflusskostenrechnung zwar in Deutschland, den Durchbruch hatte die Methode als Material Flow Cost Accounting jedoch in Japan. Ein Beispiel ist der Kamerahersteller Canon, der durch die MFCA Methode von 2004 bis 2012 bereits über 30 Mio. € Materialkosten einsparen konnte.*1

Inspiriert durch die japanischen Best Practice Beispiele schauen sich auch deutsche Unternehmen wieder Ihre Materialflüsse und die Materialabfälle genauer an. Und es lohnt sich, denn in den Materialverlusten steckt entgangene Wertschöpfung, da auch das Abfallmaterial angeschafft, bearbeitet und bewegt wurde. (Quelle des Videos: INEC REM)

Unterschied in der Betrachtung von Materialverlusten

In der klassischen Kostenrechnung werden die Kosten für entstehende Abfälle oft pauschal als Entsorgungskosten behandelt. Die Aufwände zur Abfallentsorgung werden hierbei dem Produkt zugerechnet. Diese Sichtweise ist sinnvoll, um beispielsweise den Deckungsbeitrag zu berechnen.


Die Materialflusskostenrechnung hingegen betrachtet alle Kosten, die in der Prozesskette entstanden sind, bevor der Materialinput zu einem Materialverlust wurde. Dies sind die „Hidden Costs“ wie zum Beispiel Transporte, Maschineneinsatz, Energie, Hilfs- und Betriebsstoffe. Auch wenn der Materialverlust später als Wertstoff veräußert werden kann, so ist der Wertverlust letztendlich wahrscheinlich deutlich höher als vermutet. MFCA zielt also darauf ab Verluste zu vermeiden, statt zu verwerten.

Mehr zur Umsetzung von MFCA

Best Practice Beispiele Steigerung der Materialeffizienz durch MFCA

Best Practice Beispiele Steigerung der Materialeffizienz durch MFCA
Elektronikindustrie

Der bekannte, japanische Kamerahersteller Canon Inc. veranlasste durch eine MFCA-Analyse eine Veränderung bei einem von ihnen bezogenen Vorprodukt. Durch diese Maßnahme konnte beim Lieferanten des Vorproduktes der Rohmaterialeinsatz, als auch der Energieverbrauch um 85 % gesenkt werden. Canon selbst reduzierte durch die MFCA Analyse den Einsatz von Hilfsstoffen in einem Produktionsschritt um 50 %, sowie Schlamm als Abfallprodukt um 25 %.

Metallindustrie

Eine MFCA-Untersuchung bei einem mittelständischen metallverarbeitenden Betrieb in Baden-Württemberg zeigte einen Materialverlust von 36 %. Der Produktionsprozess besteht aus 8 Schritten. Der zweite Bearbeitungsschritt hat pro Werkstück einen Materialverlust von 75 kg, während der sechste Schritt 35 kg des Materials abgesondert werden. Überraschenderweise sind die Gesamtkosten für die Verluste im sechsten Bearbeitungsschritt doppelt so hoch wie für den zweiten Schritt. Das zeigt deutlich, wie wichtig es ist, die assoziierten (eingebetteten) Kosten durch zusätzlich induzierte Systemkosten zu berücksichtigen.

    Mehr Best Practice Beispiele

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    Materialflusskostenrechnung

    Was ist Materialflusskostenrechnung?

    Materialflusskostenrechnung nach der Norm ISO14051 ist eine Methode, um Materialflüsse im Unternehmen zu untersuchen und ökonomisch zu bewerten. Eine besondere Bedeutung haben hierbei Materialverluste, die in der konventionellen Kostenrechnung ausschließlich als Entsorgungskosten auftauchen. In der konventionellen Kostenrechnung wie auch im Life Cycle Assessment (kurz LCA) werden die Aufwände zur Abfallentsorgung dem Produkt zugerechnet. Im besten Falle können die Materialverluste noch als Wertstoff weiter genutzt und verkauft werden. Diese Sichtweise ist sinnvoll, um beispielsweise den Deckungsbeitrag zu berechnen.

    Materialflusskostenrechnung geht jedoch noch einen Schritt weiter, indem alle Materialverluste gleich den eigentlichen Produkten, die Energie-, Material- und Personalaufwendungen, sowie alle anderen betrieblichen Kosten anteilig zugerechnet werden. Die wahren Kosten des Materialverlustes setzen sich also nach der Materialflusskostenrechnung aus wesentlich mehr Bestandteilen zusammen. Auch wenn Sie den Materialverlust als Wertstoff veräußern können: Der Wertverlust ist letztendlich wahrscheinlich deutlich höher als vermutet.

    Wichtigste Basis und Voraussetzung für die Materialflusskostenrechnung ist ein Material- und Energieflussmodell, dass die Produktionsprozesse mit den Material- und Energieflüssen, sowie den Abfällen und Verlusten, transparent darstellt. Bei der Anwendung der Materialflusskostenrechnung für eine Produktionslinie oder einen gesamten Standort ist der erste Schritt immer der Aufbau und die Validierung dieses Modells.


    Die Summe aller den Materialverlusten zugerechneten Kosten ergibt die maximale Kostenersparnis in einem theoretischen Optimum, in dem es keine Materialverluste gibt. Diese potenzielle Kostenersparnis kann zugleich als Investitionsbudget in Abfallvermeidungsmaßnahmen verstanden werden. Durch die Berechnung der realen Kosten des Materialverlustes werden wesentlich mehr Optimierungspotenziale realisierbar.

    Die Vermeidung nicht zwingend benötigter Materialflüsse in Ihrem Unternehmen, ebenso wie Energieflüsse, erhöht die Energie- und Ressourceneffizienz und schlägt sich gleichzeitig im konventionellen Controlling durch verringerte Kosten nieder.

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    Weiterführende Literatur zu MFCA

    • DIN EN ISO 14051: 2011 Umweltmanagement-Materialflusskostenrechnung - Allgemeine Rahmenbedingungen (ISO 14051:2011)
    • ISO 14051:2011 Environmental management -- Material flow cost accounting -- General framework (englische Fassung)
    • METI (2010): Material Flow Cost Accounting. MFCA Case Examples. Ministry of Economy, Trade and Industry Japan. www.jmac.co.jp/mfca/thinking/data/MFCA_Case_example_e.pdf
    • Möller: Software-Tools für Material Flow Cost Accounting. In: UWF UmweltWirtschaftsForum, 2-3/2014 (22. Jg.), Seite 181-185, Springer-Verlag
    • Prox: Hilfestellung für betriebliche Ressourceneffizienz aus der internationalen Welt der Standards – Normen zu Materialflusskostenrechnung und Ökoeffizienzbewertung. In: UWF UmweltWirtschaftsForum, 2-3/2014 (22. Jg.), Seite 177-179, Springer-Verlag
    • Schmidt, M.: The interpretation and extension of Material Flow Cost Accounting (MFCA) in the context of environmental material flow analysis. In: Journal of Cleaner Production (2014). dx.doi.org/10.1016/j.jclepro.2014.11.038
    • *1 Schmidt, Nakajima: Material Flow Cost Accounting as an Approach to Improve Resource Efficiency in Manufacturing Companies. In: Resources, 2/2013, Seite 358-369, MDPI
    • Viere, Möller, Schmidt: Methodische Behandlung interner Materialkreisläufe in der Materialflußkostenrechnung. In: UWF UmweltWirtschaftsForum 3-4/2010 (18. Jg.), Seite 203-208, Springer-Verlag
    • Wagner, Nakajima, Prox: Materialflußkostenrechnung - die internationale Karriere einer Methode zur Identifikation von Ineffizienzen in Produktionssystemen. In: UWF UmweltWirtschaftsForum 3-4/2010 (18. Jg.), Seite 197-201, Springer-Verlag