Materialflusskostenrechnung (MFCA)

Materialflusskostenrechnung (engl. 'Material Flow Cost Accounting', MFCA) ist ein Instrument, mit dem sich die tatsächlichen Kosten von Abfall berechnen lassen. MFCA ist für Unternehmen ein wichtiges Element der betrieblichen Ressourceneffizienz. Erfahren Sie auf dieser Seite was Materialflusskostenrechnung (MFCA) ist, und was die ISO 14051 beinhaltet. Ausserdem finden Sie hier Erfolgsbeispiele und Hinweise auf weiterführende Literatur.

Material Flow Cost Accounting ... was ist das?

Materialflusskostenrechnung (MFCA)

Vor allem in produzierenden Unternehmen werden die wahren Kosten der Herstellung der Produkte meist nicht vollumfänglich betrachtet.
Die Kosten für entstehende Abfälle werden oft pauschal als Entsorgungskosten behandelt. Dass Abfall und Verschnitt in jedem Produktionsschritt aber auch bereits im Einkauf der Rohmaterialien zu Kosten führen, wird häufig nicht berücksichtigt.

Außerdem verursachen alle Materialverluste entlang ihrer jeweils Prozesskette bereits Kosten (Transporte, Maschineneinsatz, Energie, Hilfs- und Betriebsstoffe, ...) die vermieden werden könnten.
Materialverluste sind unter dieser Perspektive von nicht unerheblicher ökonomischer Relevanz.

Die Materialflusskostenrechnung zielt darauf ab, diese "tatsächlichen" Kosten zu berechnen, und Ansatzpunkte für eine effizientere Produktion zu geben.

ISO 14051:2011 - der Standard für MFCA

Die International Organization for Standardization (ISO) hat mit der DIN/ISO 14051:2011 einen Standard für Materialflusskostenrechnung (Material Flow Cost Accounting - MFCA) veröffentlicht. Darin wird die methodische Vorgehensweise bei der Durchführung einer Materialflusskostenrechnung beschrieben, und es werden Hinweise für die Darstellung der Ergebnisse nach Materialkosten, Energiekosten, Abfallkosten und Systemkosten gegeben.
Und es geht weiter: Mit der geplanten ISO 14052 ("Guidance for practical implementation in a supply chain") soll in Zukunft auch die Durchführung einer Materialflusskostenrechnung (MFCA) entlang der Lieferkette genauer beschrieben werden.

Praktische Beispiele

International hat Materialflusskostenrechnung bisher die größte Verbreitung in Japan gefunden, wo mehr als 300 Unternehmen des produzierenden Bereichs dieses Instrument bereits erfolgreich einsetzen. In Deutschland haben einige Unternehmen, insbesondere KMUs, damit begonnen, die Materialflusskostenrechnung zu nutzen, um ihre Produktionssysteme zu analysieren und noch effizienter zu gestalten. Nachfolgend einige praktische Beispiele, wie Materialflusskostenrechnung in Betrieben erfolgreich eingesetzt wurde:

  • Eine kleine Möbelfabrik in der Tschechischen Republik stellt Möbel aus Preßspanplatten her. Es gibt fünf Hauptbearbeitungsschritte bei der Herstellung, in denen zusammen genommen 9.22 % der Input-Materialien als Abfälle ausgesondert werden. Das entspricht 11 % der gesamten Produktionskosten. Die kumulierten Kosten der Materialverluste betragen monatlich ca. 25793 CZK (1000 EUR).

  • Eine MFCA-Untersuchung bei einem mittelständischen metallverarbeitenden Betrieb in Baden-Württemberg kam zu dem Ergebnis, daß ca. 36 % der Input-Materialien zu Materialverlusten werden. Der Produktionsprozess besteht aus 8 Schritten. Der zweite Bearbeitungsschritt hat pro Werkstück einen Materialverlust von 75 kg, während der sechste Schritt 35 kg des Materials abgesondert werden. Überraschenderweise sind die Gesamtkosten für die Verluste im sechsten Bearbeitungsschritt doppelt so hoch wie für den zweiten Schritt. Das zeigt deutlich, wie wichtig es ist, die assoziierten (eingebetteten) Kosten durch zusätzlich induzierte Systemkosten zu berücksichtigen.

  • Ein prominentes Beispiel aus Japan, das viel Beachtung erhielt, ist die Mitsubishi Tanabe Pharma Corporation. Durch MFCA wurden Gesamt-Materialverluste im Wert von 1,3 Mrd. JPY (ca 12 Mio. USD) jährlich identifiziert, was nahezu 50 % der gesamten Produktionskosten entsprach.

Weiterführende Literatur zu MFCA

  • DIN EN ISO 14051: 2011 Umweltmanagement-Materialflusskostenrechnung - Allgemeine Rahmenbedingungen (ISO 14051:2011)
  • ISO 14051:2011 Environmental management -- Material flow cost accounting -- General framework (englische Fassung)
  • METI (2010): Material Flow Cost Accounting. MFCA Case Examples. Ministry of Economy, Trade and Industry Japan. www.jmac.co.jp/mfca/thinking/data/MFCA_Case_example_e.pdf
  • Möller: Software-Tools für Material Flow Cost Accounting. In: UWF UmweltWirtschaftsForum, 2-3/2014 (22. Jg.), Seite 181-185, Springer-Verlag
  • Prox: Hilfestellung für betriebliche Ressourceneffizienz aus der internationalen Welt der Standards – Normen zu Materialflusskostenrechnung und Ökoeffizienzbewertung. In: UWF UmweltWirtschaftsForum, 2-3/2014 (22. Jg.), Seite 177-179, Springer-Verlag
  • Schmidt, M.: The interpretation and extension of Material Flow Cost Accounting (MFCA) in the context of environmental material flow analysis. In: Journal of Cleaner Production (2014). dx.doi.org/10.1016/j.jclepro.2014.11.038
  • Viere, Möller, Schmidt: Methodische Behandlung interner Materialkreisläufe in der Materialflußkostenrechnung. In: UWF UmweltWirtschaftsForum 3-4/2010 (18. Jg.), Seite 203-208, Springer-Verlag
  • Wagner, Nakajima, Prox: Materialflußkostenrechnung - die internationale Karriere einer Methode zur Identifikation von Ineffizienzen in Produktionssystemen. In: UWF UmweltWirtschaftsForum 3-4/2010 (18. Jg.), Seite 197-201, Springer-Verlag

 

 

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