Für die CO2-Bilanz von der Kostenrechnung lernen

Written by ifu Hamburg   // February 13, 2017  

Materialflussmodell

Die Ökobilanz (englisch LCA) ist vereinfacht ausgedrückt eine Aufgabe, die alle umweltrelevanten Auswirkungen eines Verfahrens oder eines Produkts aufzeigt. Eine schwierige und komplexe Aufgabe. Warum ist sie so komplex? In erster Linie, weil die Umwelt auf vielfältige Weise geschädigt werden kann und weil Emissionen über multiple Wirkungsebenen verfügen können. Eine herkömmliche Lebenszyklusanalyse konzentriert sich auf sechs unterschiedliche Ziele oder Bereiche des Umweltschutzes, die es zu berücksichtigen gilt. Dazu gehören: Der Treibhauseffekt, das Ozonloch, Eutrophierung (Überdüngung), Lärmbelästigung, Öko- und Humantoxizität. Die Einbeziehung dieser sechs Aspekte in eine einzige Analyse erfordert eine fundierte Expertise sowie  professionelle LCA-Tools. Die Komplexität einer LCA kann jedoch drastisch verringert werden, indem man die Analyse auf eine einzelne Umweltauswirkung beschränkt. Genau das ist beim CO2-Fußabdruck möglich: Eine reduzierte Lebenszyklusanalyse, die ausschließlich klimarelevante Emissionen beurteilt.

Indem die Komplexität von Lebenszyklusanalysen auf eine einzige Wirkungsebene reduziert wird, gewinnt das Lebenszyklusdenken eine größere praktische Relevanz. Dies ist auch der Grund, warum vollständige LCAs offenbar weiterhin auf dem akademischen Sektor vorherrschen, während CO2-Bilanzen mittlerweile großflächig Einzug in den Unternehmen gehalten haben.

Lebenszyklusdenken für Praktiker: Berechnung eines einzelnen Fußabdrucks (Single Score Footprinting)

Das Ergebnis der CO2-Bilanz besteht, egal ob es um Unternehmen, Prozesse oder Produkte geht, aus einer Zahl. So kann ein einziger Wert mit anderen verglichen werden. Solange man bei der Berechnung der CO2-Bilanz einer einheitlichen Methodik folgt, wie etwa der ISO-Norm 14067, ist dieser Einzelwert sehr aussagekräftig. Die CO2-Bilanz von Produkten, die den CO2-Fußabdruck für eine einzige funktionale Einheit, sprich für ein Produkt, angeben, bergen ein riesiges Potenzial für Kunden bei der Kaufentscheidung. Sie können anhand des Fußabdrucks Produkte vergleichen und sich so für das umweltfreundlichere entscheiden.

Vergleichbare Ergebnisse sind zwar gut, aber nicht der einzige Vorteil des „Single Score Footprinting“. Der Experte für Industrial Ecology Prof. Dr. Mario Schmidt vertritt die Ansicht, dass konventionelle Kostenrechnungsverfahren sehr einfach auf Footprinting-Analysen übertragen werden können. Wie soll das funktionieren? Nachfolgend haben wir es kurz für Sie zusammengefasst.

CO2-Bilanz: Akkumuliert alle Treibhausgas-Emissionen

In einem vielschichtigen Produktionssystem besteht der Herstellungsprozess aus zahlreichen Teilprozessen. Jeder Teilprozess „erbt“ Kohlenstoffemissionen von seinem Vorgängerprozess und generiert darüber hinaus weitere direkte Emissionen. Das Endprodukt, das ein Ergebnis aller vorangegangenen Schritte des Herstellungsprozesses ist, besitzt deren akkumulierte THG-Emissionen.

Bei der bildlichen Darstellung folgen Treibhausgasemissionen für gewöhnlich dem Muster eines in die Luft zeigenden Pfeils, da man sich vorstellt, dass das z. B. Kohlendioxid auf diese Weise in die Atmosphäre eindringt. Auf dem folgenden Sankey-Diagramm sehen wir jedoch eine in die entgegengesetzte Richtung zeigende Darstellung der Emissionen: Kohlenstoffäquivalente Emissionen zeigen nach unten, in den Prozess hinein. Die Logik hinter dieser Darstellung ist klar: Emissionen sind akkumulierbar. Erinnern Sie sich? Akkumulierte THG-Emissionen.

Prozesstruktur der Mengenbilanz mit Vorketten

Das zugrundeliegende Materialflussmodell mit CO2-Äquivalenten wurde mit der Umberto-Software erstellt.

Wie kann man jedoch Emissionen dem nachfolgenden Produktionsstrom zuweisen, in dem zwei oder mehr zusammenhängende Prozesse und/oder Produkte enthalten sind? Diese Frage ergibt sich aus dem, was in der Betriebswirtschaft als gemeinsames Produkt bezeichnet wird. Daher ist eine korrekte Zuordnung (Allokation) erforderlich.

Folgendes Beispiel: In einem Teilprozess wird ein Produkt (gut) und Abfall (schlecht) generiert. Was geschieht aber nun, wenn Sie den Abfall als Rohstoff verkaufen können? In diesem Fall wird in dem gleichen Teilprozess ein Produkt (gut) und ein weiteres Produkt (ebenfalls gut) generiert. In der folgenden Abbildung wird dies als Prozess B dargestellt. Prozess B und C müssen nicht notwendigerweise im gleichen Unternehmen stattfinden. Die Schwierigkeit besteht darin, festzulegen, wieviel von den Prozessemissionen dem einen und wieviel dem anderen Produkt zugerechnet werden müssen.

Materialflussmodell mit der Umberto-Software.

Zuordnungsproblem aufgrund unterschiedlicher Vorteile und Wieder-/Weiterverwertung von Material. Materialflussmodell erstellt mit der Umberto-Software.

Emission x Faktor = Material x Stückkosten

Die traditionelle Buchhaltung hält zwei Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem bereit. Wieso die traditionelle Buchhaltung? Weil die Perspektive des ökologischen Fußabdrucks der der Finanzbuchhaltung sehr ähnlich ist. Wirklich? Ja, man muss nur die Einheiten ändern. Beim Carbon Footprinting sind dies

[Gewicht der THG-Emission] x [Emissionsfaktor]

was in der Kostenrechnung folgenden Größen entspricht:

[Materialmenge] x [Stückkosten]

Ok, aber wozu soll das gut sein? Die Buchführungsmethoden sind gut entwickelt und umfassend getestet und die Zuweisung von Gemeinkosten zum Beispiel ist nicht nur extrem nützlich bei der Berechnung der CO2-Bilanz von Produkten, sondern auch leicht durchzuführen.

Allokation: nach Menge oder nach Marktpreis?

Zurück zur Lösung des Zuordnungsproblems. Eine der beiden Methoden berücksichtigt die Produktmenge, entweder nach Gewicht oder Stückzahl. Dieser Ansatz findet sich in der  Umweltmanagementnorm ISO 14040 . Bei der anderen Herangehensweise werden Kosten (der Buchhaltung) oder Emissionen (dem Carbon Footprinting) nach Marktpreisen zugeordnet. Letztere Methode findet sich in dem britischen Standard  PAS 2050 zur Berechnung der CO2-Bilanz. Wenn also am Ende eines Prozesses 9 kg von Produkt A mit einem Wert von 3 USD stehen und 1 kg von Produkt B mit einem Wert von 7 USD, so würden nach unserem ersten Ansatz 90 % der Emissionen Produkt A zugeordnet, während es bei dem Marktpreis-Ansatz lediglich 30 % wären. Verstanden?

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Einblick in die Möglichkeiten der Kostenrechnung bei der Berechnung der CO2-Bilanz verschaffen.

 

Originalartikel “How Traditional Cost Accounting Methods Resolve Carbon Footprint Issues” von Moritz Bühner, übersetzt durch ifu Hamburg.

Article image by Keith Williamson.

Quellen:

Schmidt, M.,2011. Von der Material- und Energieflussanalyse zum Carbon Footprint – Anleihen aus der Kostenrechnung .Chemie Ingenieur Technik

 


Tags:

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greenhouse gas reduction

product carbon footprint


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